In meinem letzten Blogbeitrag über das Derby der Wild Wings gegen Freiburg, hatte ich angekündigt, dass ich mich noch ausführlicher darüber auslassen wollte, was die Wild Wings in der jetzigen Situation und für die Zukunft unbedingt benötigen. Die Gedanken waren da, ich wollte sie strukturieren und zu Papier bringen und jetzt werde ich von der Realität überholt. Heute um 14:30 ist eine Pressekonferenz, auf der nach allen Informationen zu 99,99999% Stefan Wagner als neuer Sportmanager und eine damit einhergehende Degradierung/Entlassung/Kündigung/Versetzung von Petr Kopta präsentiert wird. Damit werden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.
Ich möchte hier nicht über Petr Kopta dozieren, da sind die Ansichten auch zu differenzierend, das wäre ein Nebenkriegsschauplatz. Ich finde er hat gute Dienste geleistet, aber selbst wenn er bleiben sollte, würde er klar unter Wagner arbeiten und damit spielt es kaum eine Rolle, ob der da ist. Wie Christian Arnold würde er dann unter Weisung arbeiten, nicht mehr entscheidungsbefugt. Also klammern wir das Thema Kopta hier aus.
Was ich als Lehren aus der mißratenen Saison gezogen habe, ist, dass es bei uns nicht im wirtschaftlichen hapert, da sind wir gut aufgestellt. Auch am guten Willen, an Zielen und Vorstellungen scheitert es nicht. Das Team wurde nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, keiner hat sich ein derartiges Versagen gewünscht oder damit gerechnet. Wenn Fehler aber nicht aus böser Absicht geschehen sind, dann meistens, weil man es nicht besser wußte oder konnte. Und hier muss man ansetzen.
Unsere Gesellschafter sind tolle Geschäftsleute, haben einen Verein an der Rande der Pleite zu einer gut funktionierenden GmbH umgebaut, die Sponsoreneinnahmen enorm gesteigert und mit viel Lobbyarbeit und auch persönlichem und finanziellen Einsatz den Umbau des Stadions auf den Weg gebracht. Dafür gebührt ihnen sehr viel Dank. Ohne Burger, Werner, Welzer und Co. gäbe es vermutlich heute kein Zweitliga-Eishockey mehr am Schwenninger Moos. Dies sollte auch keiner in Frage stellen. Doch deshalb sind sie nicht unfehlbar.
Und gerade im sportlichen Bereich wurden Fehler gemacht. Es fehlen die erstklassigen Kontakte in die Eishockeywelt, es fehlen die Fähigkeiten zu erkennen, was eine gute Mannschaft ausmacht. Es fehlen die Erfahrungen, wann ein Spieler gut ist oder wann er nur gute Statistiken hat. Dies ist nicht schlimm. Ich kann das auch nicht, genauso wie die meisten Fans im Stadion das nicht können. Das erkennt man auch daran, dass die Mannschaft vor der Saison ausführlich gelobt wurde. Am wichtigsten ist es, dass man diese Fehler und die eigenen Schwächen erkennt und sich selber eingesteht.
Ich kann mir vorstellen, dass das schwierig ist. Wenn ich mein eigenes Geld irgendwo investiere ohne Aussicht jemals etwas zurück zu bekommen, dann würde ich auch mitreden wollen. Dann fällt es verdammt schwer, jemand anderen mit seinem Geld wirtschaften zu sehen. Aber die Saison hat hoffentlich gezeigt, dass es nötig ist hier anzusetzen. Und ich hoffe - für das Schwenninger Eishockey -, dass bei unseren Gesellschaftern diese Erkenntnis gereift ist. Sie würden dadurch in meiner Achtung noch steigen, denn das Eingestehen eigener Unzulänglichkeiten und das Delegieren dieser Aufgaben an jemand Fähigen, das ist eine Kompetenz über die viele "Chefs" nicht verfügen, die alles selber machen wollen und damit am Ende das Unternehmen in den Ruin reißen.
Ich wünsche mir also einen Manager, mit erstklassigen Kontakten in die Eishockeyszene. Jemanden, der mit einem vorgegebenen Budget frei arbeiten darf. Der sich nicht jeder Verpflichtung genehmigen lassen muss. Jemand, der mit Konzept und Durchhaltewillen ein homogenes Team zusammenstellt. Und der dann auch den Kopf dafür hinhält.
So waren meine Wünsche und dann lese ich heute in der Zeitung, dass Stefan Wagner kommt. Klasse. Viel Erfahrung, das Managergeschäft von der Pike auf gelernt. Landshut (unter Fedra), Straubing, DEB, Ingolstadt - viele Stationen, viele Kontakte und in Ingolstadt auch beachtliche Erfolge. Nicht umsonst wurde er mal bei der Eishockey News bei der Wahl zum Manager des Jahres auf Platz 2 gewählt. Jetzt also Schwenningen. Er erfüllt alle Voraussetzungen und ich hoffe wirklich, dass er von den Gesellschaftern die Freiheit bekommt, die er benötigt um effizient arbeiten zu können. Von den Fans erhoffe ich mir Geduld und eine angemessene Erwartungshaltung. Wunder dauern etwas länger, eine solide, kämpferisch starke Saison mit begeisternden Heimspielen und Platz 6. Das wäre doch schon mal wieder was.
Wenn das alles klappt... und die Realität meine Vorstellungen noch weiter einholt... dann bin ich optimistisch für den Patienten "SERC 04 Wild Wings". Let's go Schwaben!



Ich schließe mich zuallererst dem von
Dir Geschriebenen vollumfänglich an und
hoffe, dass du weiterhin Deine klare Meinung vertrittst.
Was uns SERC-Fans vollkommen abhanden gekommen ist, ist der Demut vor der Bundesliga und der Respekt vor den gegnerischen Mannschaften. Hier trägt leider die vollkommen zu hoch angesetzte Erwartungshaltung dazu bei. So schlimm, dass selbst die Fachpresse darauf reinfällt. Wenn ich aber eines gelernt habe, seit ich zum SERC gehe: Die Vorsaisoneuphorie ist das Eine, die Realität das andere. Was wurde nicht schon alles angepriesen: Das Riesentalent Yegorov (selig), Schlagschussgott Lukas Zib (erstes Tor glaub ich im vorletzten Heimspiel), Tormaschine Kevin Baker usw. usw. Und das schlimme daran? Ich habe an all dies geglaubt und war mir bei den Verpflichtungen genauso sicher wie die Verantwortlichen. Deshalb halte ich dieses Geschrei gegen die Verantwortlichen fast nicht mehr aus, ich könnte manchmal wirklich platzen. Wo ist unsere Demut, unsere Dankbarkeit gegenüber den Gesellschafter, wo ist unser Mea Culpa? Wenn manch einer wüsste, wieviel Geld die reinbuttern. Denn wir sind schließlich Opfer unserer eigenen Euphorie geworden. Wenn ich mich als Verantwortlicher auch nur halb so oft widerspreche, wie so manch Forumuser, dann gute Nacht!
Da sich hier aus Eigeninitiative sicher wnig ändert habe ich trotzdem Vorschläge, wie wieder ein größerer Zusammenhalt Fans-Team-Umfeld erzielt werden kann:
-> Spieler länger halten: Ich denke das Thema der mangelnden Identifikation aufgrund zu kurzer Verweildauer ist bundesweit erkannt und wird sich hoffentlich auch ändern
-> Identifikation wird aber auch durch Kommunikation geschaffen und in diesem Bereich haben wir ein katastrophales Problem. Warum kein wöchentlicher Fanchat mit einem Spieler, der soll dann halt bei einem Kasten Bier neben dich hinsitzen:)
Was ich damit nur beispielhaft meine: Wir müssen unsere Spieler den Fans auch wieder als Menschen näher bringen. Damit mein ich natürlich nicht nachts um halb drei den Groupies im Planets, sondern ein gezieltes Schaffen von Identifikationsmöglichkeiten.
Solch Verpflichtungen gehören auch in Spielerverträge rein, und zwar nicht so larifari wie bisher.
-> Wir unterschätzen Allgemein die Homepage als die wichtigste Infoquelle der weit verstreuten Schwenninger Fangemeinde
-> Und das elemtarste Überhaupt: Es konnte mir noch keiner die Vorteilhaftigkeit einer zu hohen Zielsetzung vor der Saison erklären. Man setzt sich, das Team und das Umfeld unter Druck und gibt den Gegnern die Möglichkeit, schön die Favoritenrolle auf die Konkurrenz abzuwälzen. Ziel ab heute und für die kommende Saison muss sein, wieder die SERC-Familie mit Eishockey zu einen. Ich habe bewusst kein Adjektiv vor das "Eishockey" gesetzt. Mir reicht (gerne kanadisch geprägtes) Eishockey.
Irgendwie haben wir ein Schalke-Problem! Verstehst was ich meine? Wir hängen mit dem ganzen Herzen am Verein, verzweifeln fast an den gebotenen Leistungen, sind schnell unzufrieden mit den Söldnern, den Verantwortlichen, mit Gott und der Welt. Unter dem ausgegebenen Anspruch ist aber sowohl in Schalke als auch bei uns das Scheitern bzw. der Ärger programmiert.
Ach, ich könnte noch viel schreiben. Aber irgendwie komme ich vom Hundertsten ins Tausendste. Das würde ins Forum passen, aber bin aber zu faul zum mit PA-Kopie anmelden. Deshalb wünsche ich mir von ganzem Herzen noch die Pre-Play-Off-Quali. Dann tolle Duelle gegen die Wölfe (die einzige Mannschaft die es noch schaffen kann, dass wir unser wieder hinter unserem Team versammeln) und anschließend ein 0:3-Rückstand in der Serie gegen Bietigheim. Und dann ein Spiel 6 wie anno dazumal. In dieser Minute 58 oder 59 wusste ich, warum ich mit Haut und Haaren SERC-Fan bin. Da wird mir heute noch ganz anders...........