
Buchkritik: Je nach meiner Zeit zum Lesen möchte ich hier mehr oder weniger regelmäßig auch über die literarischen Werke bloggen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Und das erste Buch, dass ich behandel ich gleich mal ein richtiger Knaller, ein Buch, dass ich verschlungen habe und am liebsten in einem Stück gelesen hätte. Der Schatten des Windes ist ein Roman von Carlos Ruiz Zafón, aus dem Spanischen übersetzt, 560 Seiten dick und bei Suhrkampf erschienen.
Inhaltlich erzählt das Buch die Lebensgeschichte des jungen Daniel Sempere in den Jahren 1945 bis 1966 in einem Barcelona der Nachkriegszeit. Thematisch geht es im Buch ebenfalls um Bücher. In der Jugend fällt Daniel Sempere ein unbekanntes Buch eines unbekannten Autors namens Julián Carax in die Hände. Er verschlingt das Buch, ist absolut begeistert und will mehr über diesen unbekannten Autor herausfinden. Also macht er sich auf die Suche, forscht nach und stößt dabei in ein Wespennest und holt immer mehr Ereignisse aus der Vergangenheit (Spanischer Bürgerkrieg, Franco-Diktatur) ans Tageslicht. Trotz aller Warnungen, Rückschläge und negativen Folgen für ihn selbst, kann er von der Geschichte nicht lassen, bis er nach 20 Jahren mit der Realität konfrontiert wird und sich seine eigene Lebensgeschichte untrennbar mit der Lebensgeschichte von Julián Carax verbindet.
Nebenbei wird auch noch das Erwachsenwerden von Daniel Sempere beschrieben, die Veränderungen, die er und seine Freunde durchleben und auch das weibliche Geschlecht lässt ihn nicht in Ruhe. Das Buch ist dabei sehr spannend, sehr flüssig geschrieben und der Autor versteht es geschickt, der Geschichte durch neu aufgedeckte Fakten immer wieder eine neue Wendung zu geben.
Erzählerisch verwebt der Autor unterschiedlich Stile. Der Ich-Erzähler Daniel Sempere beschreibt in einer sehr flüssigen Schreibe mit durchaus ironischem Unterton die aktuellen Geschehnisse, während sogenannte Nebenerzähler eher faktenorientiert über Ereignisse berichten, die sich vor der Geburt Daniels ereignet haben. Die Kombination und der Wechsel der beiden Stile macht das Buch sehr interessant, Stück für Stück puzzlet man sich bis zum Ende der Geschichte.
Empfehlen kann ich das Buch eigentlich jedem, es erzählt eine spannende, kreative Geschichte in einer detailgetreu beschriebenen Umgebung. Die Wirren nach dem Krieg in Barcelona, die Unsicherheit der Menschen und die Suche nach dem Platz in der Gesellschaft - bei der sich Daniel auch ein großes Stück weit in eine für ihn "vorherbestimmte" literarische Welt flüchtet - wird mit einer starken erzählerischen Stimme dargelegt.
Das Buch kostet derzeit 9,90€ bei Amazon.


