Nach der vorgestrigen Trainerentlassung bei den Wild Wings schießen die Spekulationen wild ins Kraut. Zig Namen werden gehandelt, wieder verworfen, gegeneinander abgewogen und bewertet. Zeit für mich, dass Ganze mal in Ruhe zu betrachten.
Was brauchen wir? Auch wenn die GmbH in der Presse sagt, dass sie noch gar nicht wissen, welche Anforderungen sie an den neuen Trainer stellen, glaube ich schon, dass ihnen das klar ist. Und eigentlich ist es auch nicht schwer. Der Trainer muss zum einen ein harter Hund sein, der die Mannschaft jetzt gnadenlos in die Pflicht nimmt. Nach der aktiv betriebenen Entlassung von Pasanen ist jegliche Rücksicht bei der Mannschaft fehl am Platz. Zum anderen muss er auch taktisch beschlagen sein um die zweifellos vorhandenen Fähigkeiten der Spieler zu einer gut funktionierenden Mannschaft zusammenzufügen. Spieler wie Krestan, die auch gerne auf ihr eigenes Punktekonto schauen, müssen zum Wohle der Mannschaft in ein Gesamtsystem eingefügt werden ohne ihre Kreativität einzubüßen. Also nicht leicht.
Welche Namen stehen denn zur Auswahl?
Die "große" Lösung: Diese Lösung sieht einen wirklich renommierten Trainer, jemanden der bereits in der DEL oder in Europa Reputation erlangt hat, sich selber eher in der DEL sieht und der für die 2. Liga in Schwenningen eine Sensation wäre. Hier fallen in der Regel 3 Namen: Greg Poss, Benoit Laporte und Greg Holst. Poss, als ehemaliger Nationaltrainer und Meistercoach in Mannheim hat sicher den größten Namen und wäre unumstritten ein Top-Trainer. Benoit Laporte gilt als harter Hund und akribischer Arbeiter, der bereits in Augsburg, Basel und Ingolstadt tätig war. Greg Holst schließlich war in Österreich erfolgreich und ist allen Eishockeyfans durch sein legendäres Interview im Gedächtnis geblieben. Problem dabei ist, diese Trainer sind alle nicht billig und ob man einen sechsstelligen Betrag pro Jahr dafür aufbringen will. Andererseits: Man sollte auch nicht an der falschen Stelle sparen. Wahrscheinlichkeit: 25%
Die "alter Schwenninger" Lösung: Man holt jemanden den man in Schwenningen schon kennt, der das Umfeld kennt und den viele Fans positiv in Erinnerung haben. Zwei Namen fallen hier immer wieder: Bob Burns und Gunnar Leidborg. Mit Burns verbinden viele Fans Powerhockey und absolute Diziplin, nicht umsonst wurde er als "General Schwarzkopf" tituliert. Nach einem Herzinfarkt ist bei Burns aber nicht sicher, ob er den Job überhaupt antreten würde. Leidborg, der auch familiär an den Schwarzwald gebunden ist, gilt ebenfalls als harter Hund mit sprödem skandinavischem Charme. Mit Augsburg, Berlin, Kassel, Hannover, Crimmitschau kann er viel Erfahrung vorweisen, derzeit ist er in Dänemark tätig und hat wohl schon Interesse am Job bekundet. Beide Trainer hätten das Problem, dass der Druck wie bei Rückkehrern üblich sehr hoch ist. Die Vergangenheit wird verklärt, die Situation hat man besser in Erinnerung als sie tatsächlich war und wenn sich die Erfolge nicht sofort einstellen, dann ist die Unzufriedenheit auch schnell wieder groß. Hohes Risiko, würde aber zumindest anfangs die Fans versöhnen. Wahrscheinlichkeit: 15%.
Die "Feuerwehrmann" Lösung: Hier ist jemand gemeint, der mit dem großen Holzhammer kommt, die Saison halbwegs rettet und über die ganze harte Tour versucht das Team in den Griff zu bekommen. Georg "Eisenschorsch" Holzmann und Peter Obresa werden hier häufiger genannt. Problem hierbei ist: Man kriegt die Saison vielleicht noch ganz gut rum, aber als langfristige Perspektive taugen diese Trainer vermutlich nichts. Ein weiterer Trainerwechsel zur neuen Saison wäre die Folge. Eine Frage der langfristigen Ausrichtung. Wahrscheinlichkeit: 15%.
Die "solide" Lösung: Als solide verstehe ich einen Trainer, der über eine gewisse Erfahrung verfügt, der bodenständig und nicht extravagant ist und der kein superteurer Startrainer ist. Also jemand den man kennt, bei dem man weiß was man hat und der zu einem fairen Preis zu haben ist. Hier stehen ein paar Namen im Raum: Chris Valentine aus Düssledorf, Teal Fowler aus Mannheim oder Marcus Bleicher, der letztes Jahr mit dem SC Riessersee sehr erfolgreich war, sich dann aber mit Sonnenkönig Bader überworfen hat. Vermutlich wäre dies die beste Lösung um solide und positiv in die Zukunft zu schauen. Aber irgendwie wäre das auch langweilig und Langeweile hat in Schwenningen keinerlei Tradition. Ich glaube nicht so wirklich dran. Wahrscheinlichkeit: 19%
Die "unbekannte" Lösung: Dass was der GmbH mit Bernhard Kaminski bereits gelungen ist. Man verpflichtet jemanden den keiner kennt, mit dem keiner rechnet und der auch kein Renomee im deutschen Eishockey vorweisen kann. Zuzutrauen wäre es den Verantwortlichen, dass sie wieder jemanden aus dem Hut zaubern, der alle überrascht. Positiv ist dann sicher, dass die Person unverbraucht ist. Fraglich ist, ob ein Greenhorn von den durchaus gestandenen Spielern akzeptiert wird. Er muss sich sehr schnell durch Kompetenz und Disziplin Ansehen erarbeiten. In gewissem Sinne also eine Wundertüte, vermutlich eine günstige Lösung, die aber auch nach hinten losgehen kann. Ob das jetzt ein Andreas Bentenrieder aus Hügelsheim, vielleicht jemand aus der Schweiz (Urs Chrüggli aus Wetzetikon) oder ein in Deutschland unbekannter Kanadier sein wird - wir wissen es jetzt noch nicht. Wahrscheinlichkeit: 25%.
Und zum Schluß: Die "übliche" Lösung: Das ist die, die in Schwenningen schon jahrtausende alte Tradition hat. Man macht den Co. zum Chef. Toni Raubel stände damit in einer langen Reihe an Co-Trainer, die ihren Chef beerbt haben. Halte ich aber für unwahrscheinlich, denn Raubal und Pasanen arbeiten schon Jahre lang eng miteinander zusammen, für den wirklichen Schnitt und eine wirkliche Veränderung kann Raubal nicht die Lösung sein. Selbst wenn wir jetzt eine Siegesserie starten, das Vorjahr unter Greg Pruden hat bewiesen, dass auch dann die Weiterverpflichtung des Co. keine Garantie für eine erfolgreiche Saison ist. Die GmbH sollte gewarnt sein. Raubal kann auch unter dem neuen Cheftrainer den Co. machen und mit der Quetsch im Bus für die Stimmung sorgen. Wahrscheinlichkeit: 1%
Aber vermutlich kommt es anders als man denkt....



Fürstliche Grüße!
Ich bin ganz klar für Leidborg, weil wir zwei Dinge jetzt ganz klar brauchen: 1. Jemanden, der die Liga wenigstens einigermaßen kennt und 2. jemanden, der den Spielern zeigt, wo der Hammer hängt!