Gestern ist nun das passiert was sich schon länger abgezeichnet hat. Nach einem indiskutablen 4:6 gegen die Eispiraten aus Crimmitschau wurde die Amtszeit von Jari Pasanen in Schwenningen durch die Eishockey-Bosse kurzerhand beendet. Damit wurde auch den teils lautstarken, teils niveaulosen Forderungen und Anfeindungen der Fans Rechnung getragen. Doch wird damit jetzt alles gut?
Fakt ist, dass das Tischtuch zwischen Fans und Trainer wohl irreparabel zerschnitten war. Sportlicher Durchschnitt gepaart mit vielen Gerüchten über unmögliches Verhalten im zwischenmenschlichen Bereich ließen der Person und dem Trainer Jari Pasanen keine Zukunft mehr zu. Dabei bin ich mir gar nicht mal sicher, ob er je eine richtige Chance gehabt hat. Denn bereits nach der Vorbereitung, nach nichtmal einem gespielten Punktspiel, begann die Kritik an ihm. Wie will man da ein auf 2 Jahre angelegtes Team, das völlig neu zusammengestellt wurde, in Ruhe formen, wenn seitens einiger Fans nicht mal 2 Wochen Geduld aufgebracht wird. War das Projekt Pasanen dadurch schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt?
Ich meine nein, ich sehe das Problem eher so, dass Pasanen entweder überschätzt oder falsch eingeschätzt worden ist. Im sportlichen Bereich scheint er taktisch begrenzt zu sein und in Essen doch nur von seiner "Ich verlass mich vorne auf Mulock und Bartek-Taktik" gelebt zu haben. Im menschlichen Bereich hätte man vielleicht auch vorher besser recherchieren können, doch er wäre bei weitem nicht der erste, der sein wahres Gesicht erst nach der Unterschrift zeigt. Hier muss sich auch die Geschäftsführung klar hinterfragen, wie es dazu kommen konnte und wie man so ein teures Desaster in Zukunft vermeiden kann. Denn die restlichen 1 1/2 Jahre Vertragslaufzeit werden durch die Beurlaubung nicht billiger.
Die Entscheidung Pasanen zu entlassen war wohl richtig, angesichts der ins Bodenlose fallenden Zuschauerzahlen und des unbefriedigenden Tabellenplatzes wäre es selbst bei einer wohlwollenden Einstellung zu Jari Pasanen schwierig geworden eine gemeinsame Basis für eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit zu finden. Dazu ist das Publikum in Schwenningen auch zu kritisch, haben viele doch noch die DEL im Hinterkopf und sind nicht bereit im Mittelfeld der 2. Liga rumzudümpeln.
Fakt ist aber auch, dass die Mannschaft gestern zu einem Mittel gegriffen hat, das sehr sehr umstritten ist und sehr kritisch gesehen werden muss. Sie hat durch Arbeitsverweigerung die Demission des Trainers aktiv betrieben. Im Endeffekt hat jede Mannschaft diese Macht, die Frage ist nur wann man als Fan dieses unloyale Verhalten tolerieren, verzeihen oder gar gutheißen kann. War es wirklich nötig zu diesem Mittel zu greifen oder muss die Mannschaft einfach mit ihrem Vorgesetzten zurecht kommen. Schwierige Entscheidung, die nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob diese Mannschaft besser ist als die Teams der letzten Jahre über die kübelweise Schimpf und Schande ausgekippt wurden, weil sie
Die Mannschaft ist jetzt absolut in der Pflicht zu beweisen, dass sie nicht anders handeln konnten. Leistung, Leistung, Leistung - mehr zählt jetzt nicht. Dümpeln wir im selben Trott weiter, dann können wir die Mannschaft gleich mit beurlauben. Dazu kommt auch noch, dass sich mehrere Spieler öffentlich hinter Pasanen gestellt haben. Mit negativer Einstellung kann man von einer Lüge sprechen, positiv gefärbt war es Diplomatie. Doch ehrlich war es auf keinen Fall.
Ich bin gespannt was die nächsten Wochen bringen. Wir Fans haben besonders im Schlußdrittel unseren Teil getan, jetzt liegt es an der Mannschaft zu beweisen, dass sie den Erfolg für den SERC auch unbedingt wollen.


