Das ausgerechnet ich mich über die Qualität von Sängern auslasse, mag manchem hier komisch erscheinen, aber dieser
Paul Potts-Hype geht mir tierisch auf den Senkel.
Ein korpulenter und mit schiefen Zähne ausgestatteter Engländer gewinnt die Casting Show
Britain's Got Talent mit der für eine solche Show völlig untypischen Opernarie Nessun Dorma aus Puccinis
Turandot. Das Publikum rastet aus und diese Show hat einen zugegebenermaßen emotionalen Höhepunkt wie selten bei einem sonst eher der Volksverdummung zuträglichen Showformat. Das Video auf
Youtube erfreut sich größter Beliebtheit. Ein Handyverkäufer steigt zum Star auf. Dass er bereits Gesangsunterricht genommen hat, wird aus dramaturgischen Gründen gerne verschwiegen. An sich bisher noch nichts was mich stören würde, ich muss diese Castingshows ja nicht sehen.
Was aber wirklich nervt, ist, dass dieses Ereignis von einem Telekommunikationskonzern für die Werbung aufgegriffen wird, ständig auf allen Kanälen läuft, Paul Potts in jeder zweiten Talkshow sitzt und einem z.B. auch beim Olli Kahn Abschiedsspiel nicht in Ruhe lässt. Der durchschnittliche Fernsehzuschauer hält ihn jetzt für den großen Opernstar, den begnadeten Sänger mit der unglaublichen Stimme.
Dabei ist er operntechnisch nicht mehr als Durchschnitt. Natürlich läuft er jedem Hobbysänger davon, aber im Vergleich zu wirklichen Größen des Business fehlt ihm doch noch einiges. Hört Euch zum Vergleich einfach mal diese Aufnahme der
3 Tenöre oder insbesondere diesen Auftritt von
Luciano Pavarotti (Gott habe ihn selig) an. Das sind wirklich perfekte Interpretationen dieser schönen Arie.
Ein schönes Beispiel wie man mit geschicktem Marketing nur durch zahlreiches, nerviges Wiederholen ein falsches Bild in den Köpfen der Menschen festigen kann.