die sympathische Hessin mit dem siegesgewissen Gesichtsausdruck und dem unanständigen Machtwillen hat es nicht geschafft. Und ich kann meine Freude darüber nicht verhehlen. Denn wer so unanständig und offensichtlich sein Wort bricht, der hat es nicht verdient, dass er damit auch noch durchkommt. Man kann darüber streiten, ob die späte Bekanntgabe richtig ist, aber man sollte es respektieren. Hält man den vier "Rebellen" zu Gute, dass sie lange mit sich selbst gerungen haben, dann muss man ihnen eben jeden Tag Bedenkzeit zugestehen. Auch wenn es bis zum Ultimo dauert. Immer noch besser und offener als jemanden in der Abstimmung vor die Wand fahren zu lassen, wie es Heide Simonis bitter erleben musste.
Im Endeffekt kommt es für mich aber nicht so überraschend - spätestens nach dem Parteitagsauftritt von Jürgen Walter war zu erwarten, dass da etwas nachkommen wird. Der ebenso ambitionierte und machtbewußte SPD-Vize hat es wohl nicht verwunden, sein Wunschministerium nicht zu bekommen, nachdem er schon parteiintern gegen Ypsilanti unterlegen war. Die gute Andrea hat stattdessen auf den altlinken Polterer und Brummbär Hermann Scheer gesetzt, ein Fehler wie sich jetzt zeigt. Bei so knappen Mehrheiten muss ich dann eben so gefährlichen Gegnern wie Walter in der Ministerienfrage entgegen kommen. Oder ebenso spektakulär scheitern wie wir es in Hessen gerade erleben.
Spannend werden die Auswirkungen auf die Bundes-SPD sein. Münterfering wird nicht anders können als Ypsilanti fallen zu lassen und sich bundesweit klar gegen die Linke zu positionieren. Denn ein rot-grün-rotes Bündnis ist offensichtlich auf Jahre hinaus gescheitert. Ebenso spannend werden die Auswirkungen auf die Umfragewerte sein. "Bestraft" es der Wähler, dass die SPD zum 2. Mal seit Schleswig-Holstein ihren eigenen Laden nicht im Griff hat und die Flügelkämpfe auf der großen Bühne anstatt hinter verschlossenen Toren austrägt? Ich glaube weniger. Die SPD wird konstant auf niedrigem Niveau bleiben, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft werden den Wähler viel mehr beschäftigen als die gescheiterten Machtspielchen einer blassen Ündrea Apsilanti.
Viel verwerflicher und respektloser finde ich übrigens das Verhalten diverser SPD-Politiker, die in übelster Weise auf die Entscheidung der vier Rebellen einschlagen. Phrasen wie "moralisch verwerflich", "menschliche Katastrophe" oder "Schande" sind bestimmt nicht die richtigen Bemerkungen über Abgeordnete, die nur ihrem Gewissen verpflichtet sind und im Wahlkampf immerhin alle versprochen haben, auf keinen Fall mit den Linken zu paktieren.
Ich freue mich, dass dieser Bumerang der Verlogenheit zurückkommt und Andrea Ypsilanti medienwirksam erschlägt. Freuen dürfte sich auch Roland "Gollum" Koch. Bleibt er doch vorerst auf dem Regierungssessel sitzen und hat auch bei möglichen Neuwahlen die besten Chancen.


