Mit viel Vorschußlorbeeren wird das Buch "Lautlos" von Frank Schätzing angekündigt, der Autor schriebe auf einem Leven mit Grisham oder Clancy. Vom Schreibstil her mag das stimmen, der Autor schreibt gut, leicht und flüssig lesbar. Inhaltlich konnte mich das Buch aufgrund zu vieler Längen und einem zu vorhersehbaren Ablauf nicht überzeugen.
Kurz zum Inhalt: Der amerikanische Präsident soll durch ein Team aus professionellen Top-Terroristen für 25 Millionen Dollar ermordet werden. Methode: Pfiffig und Neu. Ort: Im Rahmen des G8-Gipfels in Köln 1999. Als Helden fungieren der irische Physiker und Schriftsteller Dr. Liam O'Connor, der einen Hang zum Whiskey hat und seine deutsche Pressereferentin Kika Wagner und der Verleger Franz Kuhn. Ein sehr ungleiches Trio das alles andere als dem Ideal des Superhelden entspricht. Dies macht die Geschichte aber spannend.
Der Autor springt im ersten Teil des Besuches zwischen den Vorbereitungsphasen der Terroristen und dem Vorgeplänkel vor dem Gipfel in Köln. Dieser erste Teil ist sehr langatmig, da O'Connor und seine Verbindung zu Wagner ausführlich eingeführt wird, ohne, dass es für den weiteren Verlauf der Story so wichtig wäre.
Wer bisher denkt, die Story ist recht dünn, der liegt nicht falsch. Man könnte sie bequem auf gut 200 Seiten abhandeln und der Mittelteil rund um das eigentlich Attentat ist auch flott und spannend geschrieben. Aber der Autor macht 670 Seiten daraus, in dem er immer wieder seitenweise über Politik und Terrorismus philosophiert und auch die Protagonisten seitenweise beschreibt, teilweise mit Wiederholungen. Dadurch werden die Personen zwar sehr ausführlich beschrieben, für die Flüssigkeit der Geschichte ist das aber stark hemmend. Auch die politischen Statements scheinen eher ein Mittel zum Zweck des Autors zu sein um eben seine Meinung kundzutun. Für die Story ist es bedeutungslos.
Neben diesen "Längen" in der Geschichte überzeugen auch die "Wendungen" und die Frage "Wer Freund und Feind" ist nicht so richtig. Die Geschichte und das Attentat ist mit ein wenig logischem Denken vorhersehbar, auch die Menschen die sich "plötzlich" als "Die Bösen" herausstellen tun das nicht so überraschend, dass der Leser völlig aus allen Wolken fällt. Durch die meist erst kurz zuvor stattfindende Einführung der Figur lässt sich erahnen, dass mit der Figur jetzt etwas passiert. Hier hätte man die Geschichte stärker verweben sollen und die Figuren nicht so stark szenenhaft nacheinander auftreten lassen. Auch nicht gefallen hat mir die Tatsache, dass die wahren Hintergründe am Ende offen gelassen werden.
Als Fazit ist Lautlos ein gefälliger aber nicht übermäßig spannender Thriller, bei dem man Kondition und Durchhaltevermögen mitbringen muss um die zahlreichen "Längen" zu überbrücken.
4 von 10 Punkten.


