1. Teil: Torhüter
2. Teil: Verteidigung
Kommen wir zum dritten Teil und zu dem Teil der Mannschaft, der durch seine Tore und spektakulären Aktionen von den Fans am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Nicht immer ist das fair, denn ohne einen sicheren Schlußmann und gute Aufbaupässe aus der Verteidgung hat es auch der Sturm schwer, seine Aufgabe zu erfüllen: Tore zu schießen. Dabei wird gerne übersehen, dass damit noch lange nicht das ganze Anforderungsprofil erfüllt ist. Denn genauso wie der Angriff in der Verteidigung beginnt, fängt auch die Verteidigung schon im Angriff an. Ein guter Stürmer arbeitet nach hinten, stört die gegnerischen Verteidiger durch aggressives Forechecking und macht im Backcheck die Räume eng, um der gegnerischen Mannschaft die Zahl der Anspielmöglichkeiten zu verringern.
Werfen wir wieder zuerst einen Blick auf das Vorjahr und da sehen wir: So schlecht war unser Sturm nicht. Mit 166 Toren lag man an dritter Stelle und mit Radek Krestan stellte man auch den Top-Scorer. Dazu rangierten auch Brady Leisenring und Dean Beuker unter den Top 15 der Scorerliste. Insgesamte hatte man eine Menge an guten Stürmern, die aber nicht als Team funktioniert haben, fast alle über eine Schwäche verfügten und manchmal mehr mit der eigenen Punktebilanz als dem Torerfolg beschäftigt zu sein schienen. Beuker z.B. mit einem für seine Größe viel zu unausgeprägten Körperspiel, Puhakka zu ineffizient, Krestan bisweilen ein Schönspieler, Leisenring ohne Lust auf Defensivaufgaben, Smyth ein Schatten seiner selbst, Albrecht für sein Talent zu wenig, usw.. Im Endeffekt konnte man mit kaum einem Spieler 100% zufrieden sein, charakterliche Eigenschaften dabei gar nicht berücksichtigt.
Ausnahme sicher Radek Krestan, dem man bei einer derartigen Punkteausbeute die eine oder andere Phase nachsehen muss, Star-Spieler haben oft etwas divenhaftes und brauchen dies auch zur vollen Entfaltung. Er hatte eigentlich noch Vertrag, suchte dann aber seine Chance in der DEL und wechselte unter Benützung der Ausstiegsklausel nach Wolfsburg. Eine echte Träne schien ihm in Schwenningen keiner nachzuweinen.
So wurden aus dem letztjährigen Kader nur Markus Schröder, Robin Just und Patrick Geiger behalten. Schröder ein Kämpfer und beinahe schon ein Urgestein mit bekannter Abschlussschwäche geht in seine vierte Saison am Bauchenberg, Just ist ein sehr talentierter Center osteuropäischen Einschlags, der sich im Vorjahr weiter verbessern konnte und Geiger ein Nachwuchstalent, das auf dem Eis viel Energie und Einsatz versprüht. Mit den Weiterverpflichtungen kann man leben. Seitens der Fans forderten viele eine Weiterverpflichtung von Publikumsliebling Butzi Mayr, aber seien wir mal ehrlich: Nur kämpfen ist für Liga 2 irgendwann auch zu wenig. In einer Phase wo es bei uns nicht lief, konnte er mit Checks und Einsatz beim Publikum punkten, aber vorangebracht hat er die Mannschaft nicht. Auch über Heider oder Bombis hätte man nachdenken können, aber man kann auch nicht immer alle Spieler bekommen, die man sich wünscht.
Mit Blick auf die Scorerbilanz wurden für die neue Saison gerademal "13 Tore" weiterverpflichtet. Für Stefan Wagner und Axel Kammerer also eine große Aufgabe. Neue Ausländer galt es zu finden, zudem einer oder mehrere Spieler, die punktemäßig Radek Krestan ersetzen. Zudem war mannschaftsdienliches Verhalten gefragt, ein guter Bullyspieler stände uns auch mal wieder zu Gesicht. Schauen wir mal, wer zu den drei alten Recken noch dazu gekommen ist.
Ausländer: Drei Ausländer versuchen sich dieses Jahr bei den Wild Wings und sie haben eigentlich alle eine ungewöhnliche Vita. Brock Hooton ist dabei noch der "normalste", denn er hat in der ECHL gespielt. Die AHL-Einsätze, die er vorweisen kann, sind für einen Zweitliga-Ausländer aber nicht normal. Brock ist ein Brocken, körperlich stark und muss für die körperliche Komponente im Sturm eingeplant worden sein, denn seine Punktausbeute ist nicht so spektakulär. Dan Hacker war zuletzt zwei Jahre in Finnland und hat zuvor ein volles Jahr in der AHL gespielt. Für unsere Verhältnisse sehr ungewöhnlich, denn die finnische Liga ist alles andere als schwach. Aber auch seine Punktausbeute ist auf dem Papier nicht überragend. Schauen wir mal, wie er sich in einer schwächeren Liga macht. Am ungewöhnlichsten ist der Weg von Jason Guerriero: Finnland, AHL, Schweiz, Österreich - der kleine und flinke Center ist weit rumgekommen und soll das Spiel der Wild Wings denken und lenken. Das Potential hat er, zwei volle AHL-Saisons kann kaum ein anderer/kein Ausländer der Liga vorweisen. Körperlich ist er zwar etwas schwach, was auch sein Grund gewesen sein könnte, es nicht weiter in Nordamerika zu versuchen. Punktemäßig ist er auch auf dem Papier top, auch wenn wir seit letztem Jahr wissen, dass Papier sehr geduldig ist. Alle drei haben die Möglichkeit in Deutschland einzuschlagen, bei Guerriero bin ich überzeugt davon, bei Hacker ziemlich sicher und Hooton ist für mich der Unsicherheitsfaktor.
Bayern: Wie in der Abwehr und im Tor hat man sich auch im Sturm in Tölz bedient. Allerdings wurde dort nur ein Spieler geholt. Florian "Floppo" Zeller, ein Spieler mit DEL-Potential, als Kämpfer verschrien und einer, bei dem man nie geglaubt hätte, dass er überhaupt außerhalb von Bayern Fuss fassen kann. Aber die bayrischen Wild Wings scheinen ihm dieses Jahr die Entscheidung leicht gemacht haben. Nach über 10 Jahren in Liga 2 hat er seine Tauglichkeit absolut bewiesen und ist ein Gewinn für jedes Team. Ob er die Career-Season des Vorjahres wiederholen kann ist fraglich, aber mit seiner Erfahrung und seinem vorbildlichen Verhalten auf dem Eis, passt er zu uns. Gute Verpflichtung. Ebenfalls aus Bayern, aber nicht aus Tölz, stammen zwei junge Nachwuchsspieler: Simon Maier wechselt vom Riessersee an den Neckar, Max Hofbauer aus Landshut. Maier hat schon zwei Jahre in der 2. Bundesliga gespielt und kam in Garmisch auf ordentliche Werte. Typ: Solider Deutscher mit Entwicklungspotential. Ganz jung dagegen ist Max Hofbauer, mit 19 Jahren kann er erst auf 6 Zweitligaspiele zurückblicken, hat aber in der DNL und in der Oberliga schon seine Qualitäten andeuten können. Bei beiden Spielern muss man abwarten, ob sie den nächsten Schritt machen können.
Rest: Ja, es gibt auch noch Spieler, die nicht aus Bayern sind. Der renommierteste Neuzugang ist Jason Pinizzotto. Ja, er ist ein Deutscher. Gut, er ist in Ontario geboren, hat aber einen deutschen Pass. Pinizzotto ist offensichtlich der Ersatz für Krestan, von ihm kann und muss man vor allem Punkte erwaten. Er hat in Bremerhaven zwei Jahre lang gezeigt, dass er ein absoluter Torjäger ist und hat auch in zwei DEL-Jahren gezeigt, was er drauf ist. Leider hatte er im Vorjahr in Hamburg mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, deshalb auch der Schritt zurück in Liga 2. Wenn er fit bleibt, dann macht er 25 Tore. Mindestens. Er muss die Rolle als Schlüsselspieler im Team annehmen und das kann man als Fan auch von ihm erwarten. Bleiben noch Matthias Forster und Dominik Quinlan. Quinlan - Sohn eines Kanadiers - ist ähnlich wie Maier ein Nachwuchstalent, das auch schon zwei Jahre in der 2. Liga hinter sich hat. Auch bei ihm muss man abwarten, ob er nach dem Tapetenwechsel den nächsten Schritt machen und sich für eine tragendere Rolle in der Mannschaft empfehlen kann. Potential ist vorhanden. Forster dagegen ist ein gestandener Spieler. Er kann mit einiger DEL-Erfahrung aufwarten und hat die letzten drei Jahre in Bremerhaven sehr solide gespielt, auch von ihm kann und muss man eine Führungsrolle erwarten, verstecken kann er sich in Schwenningen nicht. Wird er auch nicht.
Fazit: Insgesamt macht der Sturm auf mich einen guten und durchdachten Eindruck. Mit Guerriero und Pinizzotto haben wir zwei Spieler im Kader, die zu den Top-Stars der Liga avancieren können. Hacker, Hooton, Zeller, Just, Schröder und Forster genügen gehobenen Ansprüchen. Maier und Quinlan müssen den Schritt vom Nachwuchstalent zum gestandenen Spieler jetzt machen. Hofbauer und Geiger stellen die Küken dar, ihnen muss man Fehler nachsehen, sie sollen brennen und zeigen, dass sie es schaffen wollen.
Probleme sehe ich, wenn bei Pinizzotto oder Guerriero längerfristige Verletzungen auftreten, denn in der Spielerklasse verfügen wir nicht über eine genügende Tiefe im Kader. Außer Pinizzotto hat sich auch noch keiner als überragender Vollstrecker hervorgetan. Ich hoffe, dass es die Mischung macht, denn insgesamt sehe ich uns ausgeglichener besetzt als im Vorjahr und damit auch schwerer auszurechnen.




Kommentare
Mo, 21.11.2011 20:33
jetzt wird alles besser !Neuer Trainer und entlich ein neuer zweiter Spieler.Kann nur sage n super Wagner!!!!!!!
Mo, 21.11.2011 18:55
vom trainerverschleiß vergleic hbar mit dem hsv, vom spielern achkaufniveau vergleichbar mit den wölfen aus der vw-s [...]
Mo, 21.11.2011 16:58
Umbruch und Umbau??? Gerne hä tten das ALLE Fans "VOR" der S aison gesehen und nicht wenn e s als Zuschauer -keinen- [...]
Sa, 19.11.2011 16:08
Das mit dem Auspfeiffen sehe i ch nicht als so schlimm an. De r Fan darf sein Team bejubeln, der Fan darf schweigen, [...]
Sa, 19.11.2011 16:07
Ob das unbedingt der Center ma chen muss, darüber lässt sich natürlich streiten. Ich denke, das ist auch immer ein [...]