"Leck mich am Arsch - ist doch eh alles egal." Das trifft die Stimmung rund um die Helios Arena und die Schwenninger Wild Wings ziemlich genau. Eine Saison die sportlich alles andere als geplant verläuft, vom anvisierten Tabellenplatz 4 ist man weit entfernt. Sowas kann passieren. Aber die leichenhallengleiche Stimmung voll unangenehmer Emotionslosigkeit kann man doch nicht nur mit sportlichem Mißerfolg erklären. Deshalb heißt es Sport, Erfolg ist nicht garantiert und eigentlich sind und waren wir doch kein Publikum das nur auf die Ergebnisse schaut. Oder doch?
Werfen wir erst mal einen Blick zurück. Zu Saisonbeginn ist die Mannschaft durch die Bank sehr stark eingeschätzt worden. Viele Gästetrainer schoben uns sogar die Rolle des Titelfavoriten zu. Dazu noch das umgebaute Stadion, das beim ersten Spiel gleich ausverkauft war. Die Heimkehr von Publikumsliebling Radek Krestan. Alles schien bereitet für eine tolle neue Saison, Euphorie allenthalben. Und was passierte dann? Die 16 neuen Spieler und der neue Trainer, irgendwie passte es nicht. Tolle Spiele wechselten sich mit Beinahe-Blamagen ab, das einzig konstante war die Unkonstanz.
Natürlich brauchen solche Veränderungen, gepaart noch mit einer unzureichenden und stressigen Vorbereitungen ihre Zeit. Sowas geht nicht von einem auf den anderen Tag. Und hier passierte etwas, das in meinen Augen ursächlich für die jetzige Stimmung ist. Das Publikum - geschürt durch Aussagen a la "Mittelmaß ist nicht mehr gefragt" - zeigte kaum Geduld mit dem Team. Es folgten einige unglückliche Aussagen von Jari Pasanen und das Tischtuch war zerschnitten und bei einigen steigerte sich der Hass auf "den Finnen" in einem Maße, die nicht mehr schön anzusehen war. Die GmbH hielt lange an ihrem Wunschtrainer fest, doch kurz vor Weihnachten musste sie dann dem "Druck der Massen" nachgeben und ihn entlassen.
Wie man sieht mit zweifelhaftem Erfolg, denn unter Kim Collins spielt man zwar defensiver und hinten nicht mehr so offen, schießt dafür aber auch kaum Tore und auch punktemäßig ist die Ergebnisbilanz kaum besser. Trainerwechsel, Fanproteste, etc. - das alles bringt auch Unruhe in eine Mannschaft, die scheinbar von Anfang an nicht so zusammengepasst hat, wie es sich die meistens Fans und Experten eigentlich erwartet haben. Es ist sehr schwierig in einem so stürmischen Wasser den schlingernden Kahn wieder auf Kurs zu bringen. Noch hat es KC nicht geschafft.
Aber bringt das überhaupt noch was? Kann man diese Saison überhaupt noch retten?
Schauen wir auf das Spiel am Freitag gegen Ravensburg zurück. Das Spiel, das mich wirklich erschreckt hat. Denn die Voraussetzungen waren perfekt: Ein Derby-Gegner, der aufstrebend ist und uns sowohl sportlich wie auch wirtschaftlich die Vormachtstellung in Schwaben streitig machen will. Eine Tabellenkonstellation 5. gegen 4. Anständige Anzahl Gästefans. Ein bis zum Ende enger Spielverlauf. Gästefans die mit einem provozierenden Grinsen an der Kurve vorbeilaufen. Passende Gesänge dazu. Dazu der Schiedsrichter, der ein klares Tor nicht gibt und dafür in anderen Szenen auch zweifelhaft gegen uns pfeifft. Und was passiert? Nichts! Keine Emotionen! Null, komma Null!
Normalerweise muss das Stadion kochen, auch die Spieler müssen doch durch sowas aufgestachelt sein. Da muss doch dann mal ein krachender Bandencheck folgen. Soll er doch unfair sein. Egal. Es wäre ein Zeichen, das Publikum würde mitgehen wenn es kracht und man kann dem Gegner zeigen wer der Herr im Hause ist. Aber nichts passiert, da wird emotionslos der Stiefel runtergespielt und das Publikum ergibt sich auch in Lethargie und denkt vielleicht noch an die Zeiten zurück, als der Bauchenberg in ganz Deutschland als hitzig, unfair und angsteinflößend verschrieen war.
Dabei spielen die Jungs gar nicht mal so schlecht wie sie immer gemacht werden. Es ist nicht viel was fehlt, ein paar Prozent in allen Mannschaftsteilen. Verletzungspech gesellt sich dazu. Normalerweise sollte man das Team gerade dann anfeuern, dass es endlich diese eine Stufe überwindet und sich in das Leistungslevel spielt, dass es von den Namen und dem Potential her einfach draufhaben müsste. Doch nichts. Anfeuerung nur durch einige wenige Unverbesserliche, der Rest steht schweigend da und hofft, dass es durch Nichtstun besser wird. Eine gefährliche Spirale. Die Fans pushen das Team nicht mehr und das Team spielt nicht mehr für die Fans.
Der mangelnde sportliche Erfolg, damit kann ich leben. Aus den Fehlern bei der Mannschaftszusammenstellung kann und muss man lernen. Die Suche nach einem Manager ist dort auf jeden Fall der richtige Schritt. Aber die Lustlosigkeit, das emotionslose "Alles egal" - Verhalten, das sehe ich als viel schlimmer und viel gefährlicher für das Schwenninger Eishockey an, als das Verfehlen eines sportlichen Ziels. Das liegt nunmal in der Natur des Sports, dass es irgendjemanden treffen muss, wenn 10 Mannschaften um 6 Plätze spielen.
Was ist nur los und wie kommt man da noch wieder raus? Die Saison abzuschreiben wäre zu früh. Die Play-Offs sind drin und dann beginnt alles von vorne. Dann hat man eine neue Chance, dann interessieren keine Vorleistungen mehr. In den Play-Offs werden Helden geboren. Aber dazu bedarf es auch einer gewissen Begeisterung und Zuversicht. Ohne die können wir gleich zusperren. Ich habe diese Zuversicht noch - aber hat sie die Mehrheit im Stadion auch noch?
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Kommentare
Mo, 21.11.2011 20:33
jetzt wird alles besser !Neuer Trainer und entlich ein neuer zweiter Spieler.Kann nur sage n super Wagner!!!!!!!
Mo, 21.11.2011 18:55
vom trainerverschleiß vergleic hbar mit dem hsv, vom spielern achkaufniveau vergleichbar mit den wölfen aus der vw-s [...]
Mo, 21.11.2011 16:58
Umbruch und Umbau??? Gerne hä tten das ALLE Fans "VOR" der S aison gesehen und nicht wenn e s als Zuschauer -keinen- [...]
Sa, 19.11.2011 16:08
Das mit dem Auspfeiffen sehe i ch nicht als so schlimm an. De r Fan darf sein Team bejubeln, der Fan darf schweigen, [...]
Sa, 19.11.2011 16:07
Ob das unbedingt der Center ma chen muss, darüber lässt sich natürlich streiten. Ich denke, das ist auch immer ein [...]