Montag, 7. Dezember 2009
Was ist das wahre Derby?
Ja. Ausgerechnet der schreibt was zum Derby, der gestern nicht in Freiburg war. Aber ich behaupte, gerade deswegen kann ich hier zu etwas schreiben, denn es ist bezeichnend, dass mich nach Freiburg gar nix hingezogen hat, während ich in Bietigheim und Ravensburg gewesen bin. Ich möchte heute die Frage beleuchten, welches Derby denn das Wahre ist.
Wir als Wild Wings haben den Vorteil, dass wir quasi drei Vereine in direkter Nachbarschaft haben: Die Wölfe Freiburg, die Bietigheim Steelers und die Ravensburg Tower Stars. Eine perfekte Derby-Auswahl eben. Fragt man nun nach "dem Derby", dann werden die meisten - und vor allem auch ältere Fans - klar sagen: "Freiburg, die Wölfe, das Tal, die verbotene Stadt." Doch betrachten wir die letzten Spiele. Emotionslos, langweilig, klare Erfolge, keine hitzige Derby-Atmosphäre. Momentan sind die Spiele gegen die Freiburger einfach nicht auf Augenhöhe. Und das hat sich die letzten Jahre auch schon so entwickelt: Im letzten Jahr hatte bei uns keiner Intresse an einem Derby, nach einem beinahe zweistelligen Sieg wurde trotzdem der Kopf des Trainers gefordert, in diesem Jahr hat man im Tal andere Sorgen und schickt gerade mal 150 Fans hoch auf den Berg. Rivalität kann es nur dann geben, wenn beide Mannschaften gewinnen können und es für beide um was geht.
Momentan sind wir sportlich und wirtschaftlich einfach zu überlegen, es geht nicht um den Aufstieg, es geht nicht um den Abstieg (Grüße an Frau Sütterlin), es geht noch nicht mal um die Play-Offs. Man spielt einfach innerhalb einer Liga in zwei unterschiedlichen Ligen und das macht das Derby kaputt. Auch Bayern gegen 60 hat längst nicht mehr die Stahlkraft früherer Tage. Nach dem Abstieg der Schwenninger in Liga 2, da war es zwei Jahre lang richtig heiß, die Spiele lange im Voraus ausverkauft, es gab einen Top-Zuschlag, verschmutzte Kabinen und ähnliche Vorkommnisse über die man lange diskutieren konnte. Da waren die Spiele auch noch offen, die Begeisterung groß. Doch dann traf man sich auch noch zweimal in der Vorbereitung, die Teams entfernten sich sportlich voneinander und eine Derbymüdigkeit stellte sich ein. Gestern zu gut zu sehen: Wir kreisen an der Tabellenspitze und werden nicht gefordert und im Tal ist man so unzufrieden, dass einem selbst ein Derby keine Freude mehr bereiten kann. Zudem fehlen auch die Reizfiguren in beiden Teams. Ein altersschwacher Bousquet taugt dafür nicht.
Doch was ist es dann: Bietigheim? Ja und nein. Die Rivalität hat sich entwickelt, weil es bei beiden Teams plötzlich um viel ging. Da die von Porsche finanzierten Stuttgarter Vorort-Millionarios gegen den in Tradition schwelgenden Kultklub aus dem Schwarzwald. Mal ging es um den Einzug in die Play-Offs, mal gab es eine denkwürdige Play-Off-Serie gegeneinander. Dann ging es für ein Skandalspiel in die Porsche-Arena, mit Wieland und Molling waren die Reizfiguren da und bis Sandy Moger und Markus Wieland die Vorherrschaft auf dem Feld geklärt hatten, gingen viele rassige Spiele ins Land. Das hat Spaß gemacht, da war man auf Augenhöhe, teilweise selber der Underdog. Alles Faktoren, die man für ein Derby braucht. Aber: Die Steelers haben das Interesse daran verloren. Letztes Jahr Meister geworden, dann nicht aufgestiegen und prompt bleiben die Zuschauer weg. Bei einem Verein, der noch nie über eine breite Fanbasis verfügt hat, ist das umso tragischer. Sie waren eh nie mit wirklich vielen Leuten bei uns und kommen es jetzt erst recht nicht mehr. Auch wenn die Spiele dieses Jahr auf hohem Niveau waren, das Feuer ist ein bißchen raus.
Bleibt noch Ravensburg. Hier muss ich konstatieren: Ja, diese Spiele haben alles. Ein Emporkömmling aus Oberschwaben, mit einer neuer Halle und wirtschaftlich stärker als wir, kommt etwas arrogant daher und macht sich im Revier des schwäbischen Vorzeigklubs aus Schwenningen breit. Es hat etwas gedauert, aber spätestens seit diesem Jahr geht es zwischen beiden Clubs richtig heiß her. Das letzte Spiel war teilweise unschön, aber es hat die Stimmung für die nächsten Spiele gut angeheizt. In Ravensburg ist die Halle immer voll gegen uns und auch in der Helios-Arena werden es beim nächsten Mal mehr Zuschauer werden. Gästefan-Potential ist vorhanden, Stimmung ist vorhanden und auf dem Eis stehen sich zwei sportlich ebenbürtige Mannschaften gegenüber, im VIP-Raum grüßen sich die Verantwortlichen von zwei wirtschaftlich starken Konkurrenten. Dazu gibt es auch Reizfiguren auf dem Feld: Der Ex-Schwenninger Lukas Slavetinsky oder Stefan Vogt werden bestimmt nett begrüßt werden.
Auch wenn die Duelle gegen die Puzzlestadt relativ neu sind, sie sorgen bereits jetzt für mehr Emotionen als die Spiele gegen Freiburg oder Bietigheim.
Mit einem Satz gesagt: Wir gegen Ravensburg, das ist im Moment das Derby mit dem größten Potential, der größten Rivalität. Ich finde das nicht schlimm, ich finde es gut und wie sich die Fans allgemein verändern, verändern sich auch die Verhältnisse zu anderen Teams. Das ist der Lauf der Dinge und man muss nicht an jahrzentelangen Derbymythen festhalten, das ist ewiggestrig.
Und nächstes Jahr gehts ja eh wieder gegen Mannheim.



1.) Ich glaube, bei der Bestimmung des angeblich "wahren Derbies" gibt es innerhalb der SERC-Anhängerschaft Unterschiede. Die "ganz Alten" werden mit "Mannheim" antworten. Die "nicht ganz so Alten" werden "Freiburg" sagen.
Die Fans mit Heimatorten entlang der A81 werden eher zur Antwort "Bietigheim" tendieren, die Fans vom Bodensee zu "Ravensburg".
Alles in Allem ein Luxusproblem, das außer uns nur der eine oder andere bayrische Club haben dürfte.
2.) Ravensburg als "Emporkömmling" zu bezeichnen, ist gewagt. Betrachtet man die letzten Jahre, so ist die Bezeichnung nicht falsch. Betrachtet man die (auch schon ziemlich lange) Historie des Clubs (s.: http://de.wikipedia.org/wiki/EV_Ravensburg), dann ist die Bezeichnung doch nicht so recht zutreffend.
Oder hast du ne bessere Quelle als Wikipedia^^