Haben wir eine Krise? Ja und nein. Trotz drei Niederlagen in Folge stehen wir jetzt wieder auf Platz 1, weil der EHC München auch gepatzt hat. Aber ist das eine Tabellenführung auf die wir stolz sein können, auf die wir uns was einbilden können? Nein. Definitiv nicht. Das mag arrogant klingen, aber der Platz an der Sonne verdeckt, dass es zur Zeit bei den Wild Wings gar nicht richtig läuft. Konnte man in Ravensburg noch mit dem Schock durch die zwei Verletzten argumentieren und im Pokalspiel verkünden, dass es nur ein Pokalspiel war, haben die Niederlagen in Heilbronn und gegen Landshut klar gezeigt, dass die Wild Wings nicht mehr auf dem Niveau vor der D-Cup-Pause spielen. In beiden Spielen war man die entscheidenden Schritte zu langsam, stand in der Abwehr hinten unsicher und konnte vor allem gegen Ende des Spiels nicht mehr zulegen. Die Mannschaft wirkte platt. Deshalb wurde gegen die Cannibals auch ein 3:0 Vorsprung verspielt. Es gibt für mich ein paar Ursachen, aber auch Optimismus, dass es bald wieder besser wird.
Natürlich spielt das Lazarett eine Rolle. Nur mit drei Reihen spielen zu können zehrt an den Kräften, Entlastung ist dringend nötig und mit Andrej Kaufmann hat man keinen schlechten Fang gemacht. Ihm fehlt zwar noch die Bindung zum Spiel und er pumpt auch noch ganz schön auf dem Eis, hat aber schon angedeutet, dass er das Team verstärken kann. Wichtig wäre es, die Reihen wieder konstanter bilden zu können, die Spieler sich wieder einspielen lassen und dann auf die alte Stärke zurückzugreifen: Ausgeglichene und gefährliche vier Reihen.
Zur Zeit lebt das Spiel einzig von Dan Hacker. Er ist ein vorzuüglicher Eishockeyspieler, er treibt das Team an, er nimmt das Spiel in die Hand - aber er alleine ist zu wenig, deutlich zu wenig. Just ist meilenweit von seiner Form des Saisonbeginns weg, Pinizotto fehlt an allen Ecken und Enden, auch Forster und Zeller haben abgebaut. Guerriero und Hacker mit wechselndem Partner stellen derzeit die einzige wirksame Waffe dar und das ist zuwenig. Zum einen wird man ausrechenbar und zum anderen halten die beiden das auch körperlich nicht durch.
Dazu kommt natürlich auch noch ein mentales Problem. Man war Erster, man hat alle Mannschaften der Liga einmal geschlagen und jetzt stellt sich auf einmal der Erfolg nicht mehr von selber ein. Man ist damit konfrontiert, dass die Gegner gegen den Tabellenführer auf einmal 110% geben, den entscheidenden Schritt mehr tun. Vom Jäger zum Gejagten, eine Rolle, die man auch erstmal annehmen und lernen muss. Und in diesem Prozess befinden sich Team UND Fans! Die Stimmung gestern war mau, ja - auch wir Fans müssen lernen, dass es nicht immer so weiter geht. Stimmung kommt nicht von selber, nur weil man auf Platz 1 steht. Für die Stimmung muss man sich jede Woche neu engagieren. Und genauso wie das Team neu lernen muss zu kämpfen und zu beißen, müssen auch wir lernen, dass wir noch nichts erreicht haben.
Aber ich bin optimistisch das das klappt, denn diese mentale Blockade kann man am ehesten mit einem Erfolgserlebnis beheben. Warum nicht gleich am Freitag? Das Team sieht, dass es doch noch siegen kann und wir Fans zeigen, dass wir doch noch Stimmung machen können. Wir haben einige Spiele über unseren Verhältnissen gespielt, jetzt spielen wir eben etwas darunter. Das ist nicht schlimm, dafür haben wir uns ein Polster zugelegt. Etwas mehr Sorgen als die mentale Sache macht mir der körperliche Verschleiß. Ich hoffe wirklich, dass wir bald wieder mit vollem Kader auflaufen können und dann von Verletzungen verschont bleiben. Für die Stabilität und Konstanz der Mannschaft wäre das eminent wichtig.
Ich habe die letzten vier Niederlagen (in Ravensburg, gegen München, in Heilbronn, gegen Landshut) allesamt live im Stadion gesehen und muss ebenfalls sagen: alle vier Niederlagen waren verdient, da die Gegner bissiger waren und der SERC bei weitem nicht so spritzig, bissig und kämpferisch wirkte wie vor der Pause.
All dies finde ich auch nicht schlimm, eine Durststrecke in der Saison hat jedes Team mal und die anderen kochen auch nur mit Wasser (München verliert gar mit 1:4 beim Tabellenletzten Hannover!).
Und, "sorry to say" für alle Nörgler, jetzt muss ich den gesamten SERC in Schutz nehmen: Am Ende vom Tag zählen die Fakten, ob bei Quelle, Porsche, Lehman Brothers oder Bayer.
Und die Fakten sind: Wir sind Tabellenführer und wenn man mal die kurzsichtige Brille abnimmt und den bisherigen Saisonverlauf mit ALLEN Spielen anguckt, dann läuft diese Spielzeit bisher super.
Wir sind völlig zu Recht Tabellenführer und solange wir das sind, sollte man sich wirklich überlegen, ob das Glas nicht doch halbvoll anstatt halb leer ist!
Allerdings gehört zu konstruktiver Kritik auch immer Selbstkritik, und da spreche ich als SERC-Fan, der seit 1993 ins Stadion geht, UNS ALLE inklusive mir an:
Wir sind nicht mehr die besten Fans der Liga oder Deutschlands, das waren wir früher mal vielleicht.
Gute und treue Fans sind wir definitiv, aber richtig laut ist es im Stadion nur noch wenn wir gewinnen, führen oder wie gegen München ein Top-Spiel haben.
Liegen wir zurück oder läuft es beim Team mal nicht so, ist die Stimmung in der Tat mau.
Und DAS war früher in den 80er und frühen 90er Jahren anders, obwohl es auch damals schlechte Spiele und sogar mal einen sportlichen Abstieg gab:
Aber das Stadion kochte so gut wie immer, es gab nur selten mal Phasen, in denen es still war, beim Bully schrie das halbe Stadion "Bully, Tor".
Liebe Fans unseres geliebten SERC:
Dass wir wieder siegen, Tabellenführer bleiben, aufsteigen und Deutscher Meister werden (nicht ganz ernst gemeint): das ist am Ende des Tages der Job des Wirtschaftsunternehmens SERC Wild Wings GmbH, namentlich der Geschäftsführung und der Angestellten (Trainer, Sportmanager und Mannschaft).
Dass jedoch die Stimmung wieder so wird wie in den 80er und 90er Jahren, dass die Gegner schon auf der A81 weiche Knie bekommen, dass wir das Team, gerade wenn es nicht läuft, nach vorne schreien und peitschen:
DAS ist unser Job!!!
Und ICH fange damit diesen Freitag gegen Crimmitschau an, denn:
Hier, regiert, der E R C !!!
Kriese Nein Danke! Keine Macht der Kriese.